Wie du wirklich dein «Erwachen» förderst

Aktualisiert: 24. Juli

Du sehnst sich nach einem sogenannten «Erwachen» und möchtest dein Bewusstsein erweitern? Suchst du das immer wieder in spirituellen Praktiken, meist ist es aber nicht nachhaltig? Was dich dabei wirklich weiterbringt, hört sich im ersten Moment nicht so sexy an: den ganz normalen Moment im Alltag bewusster zu machen. Schlussendlich verbringen wir viel mehr Zeit in unserem normalen Alltag, als beim Meditieren oder sonstigen Praktiken, die uns in andere Zustände bringen. Und schliesslich spielt sich dort auch das «reale Leben» ab. Für eine wahre Bewusstseinsentwicklung ist es deshalb wichtig, all die Dinge zu erkennen, die uns den ganzen Tag vereinnahmen und uns manchmal wie im Autopilot durchs Leben gehen lassen. Lass uns dafür einen Blick auf deinen Körper, deine Gedanken und deine Gefühle werfen.


Photo by Brittani Burns on Unsplash


Bewusste Präsenz ist nicht nur ein Zustand, in dem wir uns sicher und verbunden fühlen, sondern auch das wahre Erleben unseres Ichs. Meist sind wir allerdings nicht in dieser Präsenz, sondern stark beeinflusst von unseren alltäglichen Identifikationen und Verhaltensmustern. Womit wir uns identifizieren, meinen wir zu sein. Wir glauben, wir sind unser Körper, unsere Gedanken und unsere Gefühle sowie auch unsere Persönlichkeit*. Aber erst wenn wir zum Bewusstseinskern unter all diesen Ebenen gelangen, sind wir im wirklich wachen Zustand, von dem aus wir in unsere wahre Handlungsfähigkeit kommen.


* Im Blogpost zum Thema Teilpersönlichkeiten erfährst du mehr über die Identifikationen mit unseren verschiedenen Anteilen und Rollen.

Dein Körper, deine Existenz?

Wir wandeln mit unserem Körper durch die Welt und nehmen diesen sowie seine Symptome oder Krankheiten als unser Sein wahr. Wir sagen «ich bin müde» oder «ich bin krank» oder auch einfach auf die Merkmale bezogen «ich bin gross», «ich bin klein» etc.


Je nachdem, wie dein Weltbild aussieht oder was dein Glaube ist, bist du der Ansicht, dass du nach dem Tod weiter existierst oder du eben «nur» diese Körper warst. Was aber sicher ist: Unabhängig von deinem Glauben findet eine starke Identifikation mit dem Körper statt.


Achterbahn der Gefühle

Unsere Gefühle bestimmen, wie es uns geht und mit diesem Zustand auf unserer Gefühlsebene sind wir oft stark identifiziert. Wir sagen «ich bin traurig» oder «ich bin fröhlich» und handeln aus dieser Energie heraus. Menschen, die sehr stark mit der Gefühlsebene identifiziert sind, reagieren schnell emotional und können in einer emotionalen Welle schon mal ihre Prinzipien vergessen – sie verhalten sich dann etwa sehr verletzend, während sie in ihrer Wut sind.


Oft fühlen wir nicht das aktuelle Gefühl, sondern alte Emotionen, die unterbewusst durch die aktuelle Situation getriggert und so aktiviert werden. Also sind wir uns meist nicht bewusst, woher diese Emotionen ursprünglich kommen und unsere emotional gesteuerten Handlungen beruhen eigentlich auf alten Erfahrungen.


Die Macht des Verstandes

Insbesondere in unserer Ratio-orientierten Gesellschaft sind viele Menschen besonders stark mit ihren Gedanken identifiziert. Wir haben meist sehr viel im Kopf und können uns schlecht entspannen, geschweige denn unsere Gedanken beobachten. Unsere Gedankenvorgänge sind oft unbewusst und springen von einem Thema zum nächsten – das ist dir vielleicht als sogenannter Monkey Mind bekannt.


Unser Verstand wird vielfach als einziges Werkzeug beim Treffen von Entscheidungen oder der Bestimmung von Falsch und Richtig genutzt. Dabei vergessen wir unter anderem, dass unser Gehirn definitiv sehr viele Fähigkeiten hat, aber dennoch nicht annähernd alles erfassen kann.



Wie du im Alltag mehr Bewusstsein erlangst


Zuallererst geht es darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, was auf den verschiedenen Ebenen überhaupt da ist.


💫 Wie oft hast du schon ein körperliches Symptom ganz plötzlich bekommen, das sich wahrscheinlich schon länger angebahnt hat, kein Gefühl dafür gehabt, ob dein Körper locker oder angespannt ist oder was dein Körper gerade an Nahrung braucht?


💫 Wie oft wurdest du schon von den Wellen deiner Gefühle mitgetrieben oder hast in der Hitze des Gefechts anders gehandelt, als du es eigentlich wolltest?


💫 Wie oft hast du dich schon in Gedanken verloren und erst lange Zeit später gemerkt, dass du völlig abgeschweift bist und Gedanken kultiviert, auf die du dich eigentlich gar nicht fokussieren möchtest?


«Wir werden von allem beherrscht, mit dem wir uns identifizieren. Wir können alles, von dem wir uns disidentifizieren, beherrschen, leiten und benutzen.»
Roberto Assagioli


Stelle dir täglich mindestens einmal folgende Fragen:


Wie geht es meinem Körper gerade? Was nehme ich an welcher Körperstelle wahr?

Was sind im Moment für Gefühle da?

Was sind meine vorherrschenden Gedanken?



Wenn du das regelmässig machst, wirst du dir u.a. bewusst darüber:

  • Wie gut oder eben nicht so gut du überhaupt wahrnehmen kannst, was da ist

  • Was deine wiederkehrenden körperlichen Empfindungen sind

  • Was deine vorherrschenden Gefühle und Gedanken sind

  • Wie du aus diesen Ebenen heraus handelst und welche Muster sich abzeichnen

  • Und wie alles zusammenhängt

Ein einfaches Beispiel für das Zusammenhängen: Wenn du den ganzen Tag denkst «ich bin nicht gut genug» schlägt sich das auch in deinem Gefühlszustand und deiner Körperhaltung nieder. Wenn du nun deine Körperhaltung änderst, aktivierst du auch eine Veränderung auf den anderen Ebenen.



Nichts ist permanent – ausser dein Selbst


Du lebst schon genug lange, um zu wissen, dass sich deine Stimmung immer wieder verändert. Krisen, Höhenflüge und alle Zustände dazwischen: sie kamen und gingen. Dein Leben ist dynamisch und auch deine Werte, Meinungen und Ansichten können sich verändern, da du immer wieder Neues dazulernst und neue Erfahrungen machst.


Was aber bleibt und immer unangetastet von all diesen Umständen, ist unser wahres Sein. Halte einen Moment inne und realisiere einfach, dass du bist. Es ist das Gefühl deiner Existenz, das schon immer da war. Wenn wir in diesem Bewusstsein sind, können wir die Dinge neutral betrachten und besser mit unserem Höheren Selbst in Verbindung treten.


Die Dis- bzw. Selbstidentifikationsübung ist deshalb die wichtigste Grundübung der Psychosynthese, da sie uns in genau dieses Gewahrsein führt. Setze oder lege dich hin, folge den Worten und versuche diese so gut wie möglich nachzuvollziehen.



Du bist ein Zentrum reinen Selbstbewusstseins und Selbstverwirklichung. Du bist der bleibende Faktor im sich ständig ändernden Fluss deines Lebens.

Möchtest du dich auf dem Weg zu mehr Bewusstsein und Selbstverwirklichung begleiten lassen? Hier findest du mehr Informationen zur Zusammenarbeit mit mir.

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