Wie viele Persönlichkeiten hast du?

Wir sind alle ein bisschen Viele :). In diesem Blogpost erfährst du mehr darüber, wie sich unsere Persönlichkeit zusammensetzt und was du tun kannst, um als Chef dein inneres Team an Eigenschaften und Rollen in deinem Sinne zu führen.


Bild von prinzesskathrin auf Pixabay


Hast du auch schon gemerkt, dass du dich je nach Situation ganz unterschiedlich verhältst? Vor allem auch je nach dem, mit wem du zusammen bist? Unsere Persönlichkeit ist nicht eine singuläre, unveränderbare Einheit, sondern setzt sich aus verschiedenen Anteilen zusammen, die je nach Situation und abhängig davon, wie wir sie nähren und pflegen, im Vordergrund stehen. Wir sind Teil eines grossen Schauspiels und spielen verschiedene Rollen darin. Und meist leben unsere Schauspieler ein Eigenleben, ohne dass es der Regisseur überhaupt bemerkt.


Unsere Teilpersönlichkeiten


In der Psychosynthese nennen wir die verschiedenen Aspekte in uns Teilpersönlichkeiten. Dies können sowohl Eigenschaften wie «ich bin zuverlässig», als auch Rollen wie «ich bin eine Mutter» sein, in welchen wir wiederum bestimmte Verhaltensmuster annehmen.


Die Eigenschaften, mit denen wir uns selbst beschreiben, sind diejenigen, die unserer Meinung nach unsere Persönlichkeit beschreiben. Da wir sie auch dementsprechend ausleben, bilden sie unsere Kernpersönlichkeit.


Überlege mal: Was sind die Eigenschaften, mit denen du dich beschreiben würdest? Vermutlich denkst du von diesen Eigenschaften, dass sie dir einfach in die Wiege gelegt wurden, ob du sie nun magst oder nicht. Vielleicht beschreibst du dich z.B. als Person, die sich immer um alle kümmert und sich selbst hintenanstellt. Du hast das schon immer gemacht und tust es weiterhin automatisch. Obwohl du unterbewusst weisst, dass diese gütige Eigenschaft auch ihre Kehrseiten hat, stellst du sie gar nie in Frage, denn du denkst «ich bin halt so.». Es ist jedoch gut möglich, dass dir in deiner Ursprungsfamilie diese Rolle zugewiesen wurde, es nun aber darum gehen würde, sie auch wieder loszulassen.


Es ist unser natürlicher Drang, uns zu entwickeln und zu verändern.

Unser Umfeld bestätigt uns zusätzlich zu uns selbst darin, in bestimmten Rollenbildern zu bleiben, denn schliesslich haben sie uns so kennengelernt und uns in die entsprechende Schublade gesteckt. Wie oft hast du schon über jemanden gedacht: «nun gut, das muss ich jetzt bei dieser Person akzeptieren, denn sie ist nun mal so»? Kürzlich hat mir eine Klientin erzählt, ihr Mann komme immer zu spät, egal ob zu einem geschäftlichen oder privaten Termin, und jedes Mal, wenn sie einen Flug zu erwischen haben, sprinten sie durch den Flughafen. Sie macht das zwar wahnsinnig, ist aber entschieden der Meinung: «er ist einfach unpünktlich, das kann man nicht ändern».


Guess what 😉... Grundsätzlich ist keine unserer Eigenschaften unveränderbar. Ja, wir alle haben gewisse Tendenzen mitbekommen und unsere Kerneigenschaften sind kein Zufall. Die Astrologie beschreibt diese sehr gut, zeigt aber insbesondere mit dem südlichen und nördlichen Mondknoten ebenso auf, dass wir in unserem Leben eine Entwicklung durchmachen und es unser natürlicher Drang ist, uns zu entwickeln und zu verändern (für weitere Informationen zum Mondknoten stehen ich oder Dr. Google gerne zur Verfügung).


Unterdrückte und verdrängte Teile


Zu den akzeptierten Persönlichkeitsaspekten gesellen sich noch solche, die wir entweder unterdrücken, uns ihrer aber bewusst sind, und solche, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie in uns haben, weil wir sie komplett verdrängt haben.


Unterdrückt habe ich beispielsweise jahrelang meine Tollpatschigkeit, da ich sie als sehr negativ angesehen habe und mich nicht damit identifizieren wollte. Ich wollte lieber grazil durchs Leben schweben, statt mich wie ein Trampel ständig irgendwo zu stossen und Sachen kaputt zu machen. Dennoch war ich meiner Tollpatschig teilweise hilflos ausgeliefert. Lange verstand ich nicht, worauf sie mich eigentlich aufmerksam machen wollte und worin ihre Qualität liegt. Rate mal, was passiert ist, seit ich dies verstanden und sie liebevoll angenommen habe? Sie ist viel weniger präsent 😊.


Bei den verdrängten Anteilen verhält es sich so, dass wir sie so weit in uns vergraben und den Deckel darauf halten können, sodass weder wir selbst, noch andere ahnen, dass dieser Teil in uns schlummert. Doch was passiert mit etwas, was wir längere Zeit unter dem Deckel halten? Meist explodiert der Inhalt irgendwann. Wenn Emotionen getriggert werden und wir die Fassung verlieren, können diese abgespaltenen Anteile aufkochen. Wir sind dann selbst völlig entsetzt und sagen später: «so kenne ich mich gar nicht, keine Ahnung was mit mir los ist». Gleichzeitig überraschen wir unser Gegenüber, dass diesen Teil von uns nicht kannte. Diese Teile zeigen sich auch oft in Träumen, da unser Unterbewusstsein dort einen Weg findet, sie auszuleben. Im ungünstigsten Weg suchen sie irgendwann in Form von psychischen Störungen oder Krankheiten nach Ausdruck.


Visualisierung Teilpersönlichkeiten von Philipp Ryf @klar-entspannt


Woher kommen unsere Teilpersönlichkeiten?


Nebst unserem Charakter (bzw. unseren Grundtendenzen) formen uns unsere Erfahrungen – besonders in der Kindheit – stark. So haben wir uns vielleicht Teile erschaffen, die zu einem gewissen Zeitpunkt hilfreich waren, um uns zu schützen, uns heute aber eher im Wege stehen.


Als Kind lernen wir schon früh, dass wir uns anzupassen haben. Warst du ein quirliges Kind? Dann hast du mit grosser Wahrscheinlichkeit gesagt oder zumindest zu spüren gekriegt, dass du störst. Wir alle möchten natürlich dazugehören und geliebt werden. Dein Unterbewusstsein hat diese Erfahrung also gespeichert mit der Information «wenn ich so quirlig bin, bekomme ich keine Liebe. Also muss ich mich zurückhalten». Wir alle haben solche Mechanismen in uns und als Erwachsene die Möglichkeit, diese zu erkennen und neu zu wählen.


Wir sind an kollektive Felder angeschlossen und teilen viele Themen gemeinsam.

Des Weiteren tragen wir Aspekte in uns, die über unser jetziges Leben hinaus gehen. Wir bringen Qualitäten und Erfahrungen aus vielen Leben mit und sind mit denjenigen unserer Ahnen verbunden. Auf energetischer Ebene kann man sehen, dass wir z.B. Ängste aus mehreren Generationen in uns tragen, die aber nicht direkt etwas mit unserem jetzigen Leben zu tun haben.


Übrigens hört die Verbundenheit hier nicht auf: Wir sind an kollektive Felder angeschlossen und teilen viele Themen gemeinsam. Ein Klassiker, der gerade in unserer Leistungsgesellschaft hoch im Kurs ist, ist der innere Kritiker. Fast alle von uns haben die kleine Stimme im Kopf, die uns sagt, was wir alles noch nicht gut genug machen. Einige weitere Beispiele, in denen du dich vielleicht wiedererkennst (ich verwende hier die weibliche Form für «die» Persönlichkeit 😊):


  • Die Neugierige

  • Die Zuhörerin

  • Die Zweiflerin

  • Die Schüchterne

  • Die Wissbegierige

  • Die Saboteurin

  • Die Aktive

  • Die Gemütliche

  • Die Perfektionistin

  • Die Unsichere

  • Die Besserwisserin

  • Die Rebellin

  • Die Fürsorgliche

  • Die Geniesserin

  • ...


Wie du zur besten Version deiner Selbst wirst


Was kannst du nun mit diesem Wissen tun? Im ersten Schritt darfst du dir eingestehen, dass wir alle ein bisschen eine «multiple Persönlichkeit» haben 😊. Es ist äusserst wertvoll, wenn du dir deinen verschiedenen Teilen bewusst wirst und damit arbeitest, um deine Persönlichkeit aktiv zu entwickeln, statt dem Eigenleben der Teilpersönlichkeiten ausgeliefert zu sein. Wie du bereits in der kurzen, obenstehenden Liste siehst, wollen die einzelnen Teilpersönlichkeiten oft ganz andere Dinge. Hast du z.B. den Entschluss gefasst, regelmässig Sport zu treiben, ist der aktive/sportliche Teil topmotiviert dabei, während der gemütliche Teil aka Couch-Potato dir schon mal einen Strich durch die Rechnung macht.


Hier sei nochmals betont, dass jede Teilpersönlichkeit, so negativ du sie auch bewertest, im Kern eine Qualität in sich trägt. Meist besteht jedoch ein Ungleichgewicht und einige Teile erhalten einen verhältnismässig zu grossen Raum in unserem Leben oder äussern sich in destruktiven Formen. Ich habe zum Beispiel über lange Zeit der Unsicherheit in mir viel zu viel Raum gegeben, sodass ich schon mit Nervosität zu kämpfen hatte, wenn ich in einem kleinen Meeting etwas sagen musste.


Jede Teilpersönlichkeit, so negativ du sie auch bewertest, trägt im Kern eine Qualität in sich.

In welchen Situationen spürst du einen inneren Kampf in dir oder fühlst dich übermannt von einem gewissen Aspekt? Gibt es zum Beispiel Pläne, die du nicht umsetzt, weil deine Selbstzweifel zu gross sind? Wenn du dich vollkommen mit diesem Aspekt identifizierst, gibst du das Ruder aus der Hand. Meist tun wir das automatisch und werden wie ein Ping Pong Ball zwischen den verschiedenen Teilen in uns hin und her gespickt.


Du bist der Chef!


Möchtest du endlich als Regisseur deines Lebens agieren und die vorhandenen Qualitäten in dir so einsetzen, dass du deine Ziele erreichen kannst?


Mit meinem gratis Worksheet zeige ich dir, wie du die in dir wirkenden Dynamiken sowie verdrängte und unterdrückte Teilpersönlichkeiten und ihre Qualitäten erkennen kannst. Dies ist der erste Schritt dazu, sie zu einem richtig guten inneren Team zu machen.


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